Die P.M. hat ihren Aufhänger diesen Monat richtig groß gemacht mit Pressemitteilung, Meldung in der RP und natürlich schönen Bildern.Offenbar hat Stephen D. Unwin auf eine zurecht vergessene Formel von Thomas Bayes zurückgegriffen. Vielleicht ist es auch ganz klug, den Buchtitel nirgends im Artikel zu nennen, könnte ja jemand nachprüfen. Haben wir natürlich, mit dem Ergebnis, dass Unwin diesen Mist tatsächlich verzapft hat. Aber was Unwin in seinen Büchern macht ist jetzt nebensächlich, hier geht es um die P.M.
Viel interessanter ist daher die Vorgehensweise des Artikels in der Argumentation. In der Einleitung (die bekanntlich eh niemand liest) steht noch, Thomas Vašek habe die Wahrscheinlichkeit "ganz subjektiv durchgerechnet". Und das stimmt ja auch, nur leider verliert sich der Eindruck sofort, wenn eine mathematische Formel auftaucht.
Die hier zum Beispiel:
Das ist die "Gottesformel", mit ihr soll sich berechnen lassen, wie sehr ein Indiz für oder gegen eine Hypothese spricht.Dafür nimmt man die bereits ermittelte Wahrscheinlichkeit in Prozent (anfangs grundsätzlich 50, danach das Ergebnis der vorherigen Anwendung der Formel) als Pdavor und einen Wert zwischen 0 und 10 für den GI, wobei 0,1 "spricht stark gegen die These", 1 "spricht weder für noch gegen die These" und 9 "spricht stark für die These" bedeutet. Das klingt soweit recht plausibel und ergibt auch hübsche Nummern.
Der Haken an der Sache: Es lässt sich jede beliebige Zahl damit begründet errechnen. Denn nicht nur ist "GI" (Gottes-Indikator) grundsätzlich
Wenn man jetzt noch Quantenphysik überall da, wo sie relevant ist als "umstritten" bezeichnet, Gott aber nicht, kommt man natürlich darauf, dass Gottes Existenz wahrscheinlicher ist als seine Nichtexistenz.
Vor allem aber: Die Antwort muss selbstverständlich 42% lauten und nicht, wie bei der P.M. 62%. Ist doch nicht so schwer.
Ich hab 42 raus.
Und Sie können das auch.
Literatur
42 in Wikipedia
Unwin, Stephen D.: The Probability of God - Amazon-Link
Vašek, Thomas: Die Gottesformel, in: P.M. - Peter Moosleitners Magazin Dezember 2006; S. 12 ff., Online verfügbar
P.S.: Upps, Prozentzeichen ergänzt
P.P.S.: Ein kurzer Nachtrag
3 Kommentare:
Ich habe mehrere Probleme mit dieser Formel:
1. Wie oft sollte man sie hintereinander ausführen. Oder reicht es sie nur einmal anzuwenden oder ist der Grenzwert das Ergebnis.
2. Da der Zähler grundsäzlich kleiner ist als der Nenner, frage ich mich, wie man überhaupt auf eine Lösung größer 1 kommen sollte.
Falls ich falsch liegen sollte, bitte ich um Korrektur.
Um noch eines anzumerken:
Mir ist schon klar, dass P zwischen 1 und 0 liegt, aber hier sind die Angaben ja in Prozent.
diese formel erinnert mich sehr stark an eine nichtlineare gleichung die zu so gennanten "Bifurkation"
http://de.wikipedia.org/wiki/Bifurkation_(Mathematik)
und dabei kommen so hübsche bildchen heraus :)
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7d/LogisticMap_BifurcationDiagram.png
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